Verkehr in Eiche – ein Überblick

Entwicklung, Herausforderungen und Perspektiven

Ralf Jäkel, Ortsvorsteher Eiche

Historische Bemerkungen

Seit mehr als 32 Jahren engagiere ich mich in der Stadtverordnetenversammlung Potsdam und seit mehr als 17 Jahren auch im Ortsbeirat Eiche. Aus dieser langjährigen Tätigkeit heraus kann ich beurteilen, wie sich der Verkehr im Ortsteil Eiche entwickelt hat.

Eiche war über Jahrhunderte ein Straßendorf entlang der heutigen Kaiser-Friedrich-Straße. Die erste urkundliche Erwähnung stammt laut Wikipedia aus dem Jahr 1193.

Die Einwohnerzahl betrug im Jahr 1800 noch 134 Einwohner, 1910 bereits 1334 Einwohner und 1991 wiederum nur 928 Einwohner. Nach der zweiten Eingemeindung nach Potsdam im Jahr 1993 nahm die Einwohnerzahl spürbar zu. 2011 wurden bereits 4576 Einwohner gezählt. Am 31.12.2024 waren es schließlich 5060 Einwohner.

Verkehrliche Entwicklung seit den 1990er Jahren

Einen großen Wachstumsschub gab es ab 1995 mit dem Bau des Wohngebietes „Altes Rad“. Zu diesem Zeitpunkt kam mit der Straße „Am alten Mörtelwerk“ eine nennenswerte neue Verkehrsachse hinzu.

Der Querschnitt der Kaiser-Friedrich-Straße hat sich hingegen nicht verändert. Die Breite gestattet gerade so den Begegnungsverkehr von Bus und LKW. Die Gehwege sind schmal, Radwege existieren nicht. Heute ist die Kaiser-Friedrich-Straße hoch ausgelastet.

Als das Wohngebiet „Altes Rad“ nach Bebauungsplan fertiggestellt war, endete die Roßkastanienstraße mit einem Poller an der Gemarkungsgrenze zu Golm. Damals befanden sich dort noch Mohnblumenfelder.

Später entstanden in Golm mehrere neue Wohngebiete entlang der Straße „In der Feldmark“. Zudem wurde ein REWE-Markt eröffnet und der Bahnhof Golm befand sich in unmittelbarer Nähe.

Es folgten monatelange Debatten in den Ortsbeiräten Eiche und Golm über die Frage, ob der Poller gemäß Bebauungsplan bestehen bleiben sollte. Schließlich entschied man sich im Interesse guter Nachbarschaft für dessen Abbau.

Noch über Jahre hinweg führten Navigationsgeräte den Verkehr über einen rund zwei Kilometer langen Umweg über die Kaiser-Friedrich-Straße. Tatsächlich war der Poller jedoch bereits entfernt, sodass REWE und der Bahnhof Golm unkompliziert erreichbar waren. Heute erinnern sich nur noch wenige an diese Situation.

Diese historische Entwicklung erklärt, weshalb die Roßkastanienstraße im Alten Rad kostensparend und verkehrsberuhigend nur schmal und kurvig gebaut wurde. Für das heutige Verkehrsaufkommen ist sie nicht ausgelegt.

Mit dem weiteren Bevölkerungswachstum Golms wächst auch der Verkehr. Golm hatte am 31.12.2024 bereits 4296 Einwohner. Mit der geplanten Bebauung von Golm Nord werden es deutlich mehr sein.

Auch die Kaiser-Friedrich-Straße ist für die heutigen Verkehrsmengen nicht konzipiert worden.

Planungen und Entscheidungen im Zusammenhang mit Eiche II

Dem Bau des Wohngebietes Eiche II ab 2016 ging ein umfangreicher Planungsprozess voraus. Der Ortsbeirat Eiche befasste sich mehrfach mit der Frage, wie zusätzlicher Verkehr bewältigt werden kann.

Der Vorhabenträger Semmelhaack bot der Stadt Potsdam an, die Verlängerung der Linksabbiegespur in der Kaiser-Friedrich-Straße vor der Kreuzung zur Maulbeerallee zu finanzieren, um Rückstaus durch Linksabbieger zu vermeiden.

Die Stadtverwaltung entschied sich jedoch dagegen und setzte stattdessen finanzielle Mittel zur Optimierung der Lichtsignalanlagensteuerung im städtebaulichen Vertrag durch.

Das strukturelle Problem besteht damit fort und vergrößert sich mit dem weiteren Wachstum Golms.

Maßnahmen zur Verkehrssicherheit

Über viele Jahre hinweg diskutierte der Ortsbeirat Eiche die Verkehrsprobleme
kontinuierlich. Insbesondere Fragen der Schulwegsicherheit wurden regelmäßig thematisiert.

Mehrere Ortsvorsteher — Friedrich Winskowski, Herr Jäkel, Herr Werner Pahnhenrich und aktuell erneut ich — brachten wiederholt Vorschläge zur Entschärfung der Verkehrssituation ein.

Umgesetzt wurden unter anderem:

  • Tempo-30-Regelungen vor der Schule sowie in der Straße „Am alten Mörtelwerk“
  • eine partielle Gehwegverbreiterung, die jedoch später durch Poller wieder nahezu aufgehoben wurde

Noch ausstehend sind hingegen die beantragten Querungshilfen:

  • bei Netto vor Eiche II
  • über die Roßkastanienstraße am Beginn des Baumhaselrings
  • am Abzweig des Baumschulenwegs

Die beantragte Beschränkung des Schwerverkehrs „Am alten Mörtelwerk“ wurde von der Verwaltung abgelehnt.

Die Installation der Geschwindigkeitsmesstafel an der Grundschule wurde zugesagt. Der Pfosten dazu wurde im Dezember 2025 errichtet. Die Tafel selbst wurde am 12.02.2026 angebracht und in Betrieb genommen.

Radverkehr und ÖPNV

Ein beantragter Neubau eines Radweges neben dem Kuhfortdamm wurde von den Planern stattdessen als breiterer Fahrbahnausbau mit Radstreifen umgesetzt. Dies stellt zwar eine Verbesserung dar, ersetzt jedoch keinen eigenständigen Radweg.

Geplant ist eine Verlängerung mit einem echten Radweg bis zur Kaserne im Wildpark (Einsatzführungskommando). Diese Maßnahme besitzt erste Priorität, wird jedoch noch mehrere Jahre bis zur Umsetzung benötigen.

Beim Busverkehr gab es einzelne Anpassungen. Für Studierende in Golm besteht ein dichter Takt mit Anschluss an die Regionalbahn. Weitere Verbesserungen sind derzeit nicht absehbar.

Nicht realisierte Großprojekte

Unter Ministerpräsident Manfred Stolpe wurde einst versucht, eine vom Bund finanzierte Ortsumgehungsstraße für Potsdam zu realisieren.

Die geplante zweistreifige Straße mit neuer Brücke über den Templiner See hätte unter anderem Anschlüsse an Nuthestraße, Michendorfer Chaussee, Zeppelinstraße sowie Golm-Süd und Golm-Nord geschaffen.

Eine solche Verbindung hätte Bornim, Bornstedt, Eiche, Potsdam-West und die Innenstadt spürbar entlastet, insbesondere im Berufsverkehr.

Der Ortsbeirat Eiche unterstützte das Vorhaben, jedoch sprach sich eine Mehrheit der Stadtverordnetenversammlung dagegen aus. Unter Ministerpräsident Dietmar Woidke wurde die Anmeldung im Bundesverkehrswegeplan nicht verlängert.

Aktuell läuft hierzu eine neue Untersuchung. Angesichts der üblichen Planungszeiträume wäre die Straße heute bereits fertiggestellt, hätte man das Projekt damals weiterverfolgt.

Aktuelle verkehrspolitische Grundannahmen

Derzeit muss mit den überlasteten Bestandsstraßen gearbeitet werden.

Die Potsdamer Verkehrsplanung vertritt dabei die Auffassung, dass das durch das Bevölkerungswachstum — von etwa 120.000 Einwohnern im Jahr 1990 auf rund 185.000 im Jahr 2025 — entstehende zusätzliche Verkehrsaufkommen ohne Ausbau der Straßen allein durch Fuß-, Rad- sowie öffentlichen Nahverkehr bewältigt werden könne.

Über die Realitätsnähe dieser Annahme mag sich jeder Bürger anhand seiner persönlichen Lebensumstände ein eigenes Urteil bilden.

Mögliche kurzfristige Maßnahmen

Dem Ortsbeirat bleiben derzeit vor allem kleinteilige Maßnahmen zur Entlastung.

Vorgeschlagen wurden unter anderem:

  • sensorgesteuerte Ampelschaltungen für Linksabbieger in das Alte Rad, um Rückstaus zu reduzieren
  • Bushaltebuchten, damit der fließende Verkehr haltende Busse passieren kann
  • eine erneute Initiative zur Verlängerung der Linksabbiegespur an der Kreuzung Amundsenstraße

Die entsprechenden Anträge wurden bislang nicht umgesetzt.

Rahmenplan Golm 2040

Auf den im Rahmenplan Golm 2040 vorgesehenen neuen Poller zwischen Golm-Mitte und Golm-Nord sollte aus meiner Sicht verzichtet werden.

Andernfalls droht die Wiederholung eines früheren Fehlers — des Pollers zwischen Eiche und Golm, der später aus guten Gründen entfernt wurde.

Bürger sollten ihre Ziele auf möglichst kurzem Wege erreichen können — sei es zur Arbeit, zum Einkauf oder in der Freizeit. Geplante Umwege belasten sowohl Bürger als auch Umwelt.

Schlussbemerkung

Eine ganzheitliche Betrachtung bleibt daher unerlässlich. Ich werbe für Vernunft, Augenmaß und gegenseitige Rücksicht bei der Bewältigung unserer Mobilitätsanforderungen.

Der Ortsbeirat Eiche wird diese Entwicklungen weiterhin aufmerksam begleiten.

Text vom Februar 2026